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Ätna im Gespräch: Die elektronische Live-Show aus Hamburg

Im Hamburger Schanzenviertel haben sich Inéz und Demian zu einem Projekt zusammengefunden, das seit Jahren die elektronische Musikszene zwischen Club und Festival mitprägt. Ätna stehen für einen dichten, oft tanzbaren Sound, der zwischen Synth-Pop, House und experimenteller Elektronik pendelt. Dabei gehen die beiden Musiker weit über das bloße Abspielen fertiger Tracks hinaus und entwickeln jede Show als eigenständiges Erlebnis. Wer Ätna live erlebt, spürt schnell, dass hier nicht nur Musik, sondern eine ganze Inszenierung stattfindet.

Im Gespräch mit LifeOnStage geben die beiden einen Einblick in ihre Arbeitsweise, ihre technische Ausstattung und ihre künstlerischen Entscheidungen rund um die Bühnenshow. Dabei wird deutlich, dass hinter den pulsierenden Beats ein durchdachtes Konzept steckt, das dennoch Raum für Spontaneität lässt. Von der Auswahl der Synthesizer bis zur Choreografie des Auftritts haben Ätna jedes Detail im Blick, ohne dabei verkrampft zu wirken. Stattdessen wirkt alles leicht und durchdacht zugleich.

Der Klang zwischen Clubs und Festivalbühnen

Wenn Inéz und Demian über ihren Sound sprechen, fällt schnell das Wort „Spannungsfeld". Ihre Tracks müssen im intimen Club ebenso wirken wie vor tausenden Menschen auf einer Festivalbühne. „Wir versuchen, Stücke zu schreiben, die sich an verschiedene Räume anpassen können", erklärt Demian. „Die Melodie bleibt gleich, aber die Produktion kann sich verändern." Diese Flexibilität zieht sich durch das gesamte Repertoire der Hamburger und bestimmt auch die Art, wie sie ihre Songs im Studio und live denken.

Die Setlist ist für Ätna kein starres Konstrukt. Stattdessen wird sie vor jedem Konzert neu kuratiert, je nach Location, Stimmung und Publikum. In kleineren Venues wie dem Hamburger Knust oder dem Frankfurter Zoom spielen sie gerne reduziertere Arrangements mit viel Raum für Vocals und Synthesizer-Flächen. Auf Open-Air-Bühnen hingegen dürfen die Beats kräftiger ausfallen, die Basslines druckvoller und die Drops energiegeladener. „Wir möchten, dass die Leute dasitzen und spüren, dass etwas passiert", beschreibt Inéz ihre Herangehensweise an diese Unterschiede.

Dabei scheuen sich die beiden nicht, auch einmal Genregrenzen zu überschreiten. In ihren Sets tauchen immer wieder Anleihen aus Disco, Acid House und sogar Krautrock auf. Diese Offenheit macht ihre Shows unberechenbar und sorgt dafür, dass selbst erfahrene Konzertbesucher überrascht werden. Wer ein Ätna-Konzert besucht, kann sicher sein, dass mindestens ein Stück kommt, das so noch nie auf der Bühne zu hören war. Diese Improvisationslust ist Teil des Markenkerns der Band.

Die Visuelle Sprache der Bühne

Neben dem Sound spielt bei Ätna das Visuelle eine zentrale Rolle. Schon früh haben die beiden erkannt, dass eine elektronische Show mehr braucht als nur Musik aus den Boxen. Die Bühne wird bei ihnen zur Leinwand, auf der Licht, Nebel und Bewegung ein eigenes Narrativ erzählen. „Wir wollen, dass das Publikum etwas zu sehen bekommt, das im Kopf bleibt", sagt Inéz, die maßgeblich für die visuelle Gestaltung verantwortlich ist.

Das Farbkonzept folgt dabei oft der Stimmung der Songs. Warme Rottöne dominieren bei emotionalen Momenten, kaltes Blau und Weiß begleiten die technoiden Stücke. Hinzu kommen projizierte Muster, die mit der Musik atmen und manchmal direkt auf die performenden Musiker fallen. Diese Mischung aus konzentrierter Lichtregie und projektiver Kunst verleiht der Show eine fast filmische Qualität. Besonders bei Headline-Shows arbeiten Ätna mit aufwändigen Setups, die eigens für die jeweilige Tournee konzipiert werden.

Auch die Outfits und das Auftreten der beiden Musiker sind Teil des Gesamtkonzepts. Inéz tritt meist in schlichten, aber ausdrucksstarken Kombinationen auf, die Bewegungsfreiheit lassen und gleichzeitig die Silhouette betonen. Demian agiert dahinter oder neben ihr an Synthesizern und Pads, häufig in dunkler Kleidung, die ihn optisch zurücktreten lässt und den Fokus auf das Licht lenkt. Diese bewusste Inszenierung unterstreicht den kollektiven Charakter des Projekts und vermeidet jede Star-Allüre auf der Bühne.

Technik, Spieltrieb und Improvisation

Hinter der Bühne verbirgt sich bei Ätna ein Arsenal an Geräten, das in jedem Club die Aufmerksamkeit der Technik-Crews auf sich zieht. Zwischen modularen Synthesizern, klassischen Roland-Maschinen und modernen Digital-Workstations wird jeder Ton live erzeugt oder zumindest modifiziert. „Wir spielen vieles wirklich, das ist uns wichtig", betont Demian. „Es soll sich anfühlen wie eine Band, nicht wie ein Laptop-Konzert."

Die folgende Aufstellung zeigt einen typischen Bühnenaufbau von Ätna:

Diese Auswahl erlaubt es den beiden, spontan auf Stimmungen im Publikum zu reagieren. Wenn die Stimmung kippt oder ein Song unerwartet gut funktioniert, kann das Arrangement in Echtzeit verändert werden. Drop verlängern, Breakpoint verschieben, neue Harmonien einfügen – bei Ätna ist alles möglich, solange die Energie stimmt. Diese Freiheit erfordert viel Übung, funktioniert aber auf erstaunlich hohem Niveau.

Ein weiteres Markenzeichen ist die Arbeit mit Vocals, die nicht einfach vom Band laufen, sondern oft live gesungen, geloopt oder verfremdet werden. Inéz steht dabei nicht nur als Frontfrau, sondern auch als Klangarchitektin im Zentrum. Ihre Stimme wird durch Effekte geschickt, mit Delays versehen oder mit Harmonien aus dem Synthesizer verschmolzen. „Die Stimme ist für mich ein Instrument wie jedes andere", erklärt sie. Diese Haltung prägt auch das Songwriting, das oft von vocalen Ideen ausgeht.

Festivalmomente und Konzerterlebnisse

Wenn Ätna über ihre bisherigen Konzerterfahrungen sprechen, leuchten die Augen. Besonders die Auftritte auf großen Festivalbühnen sind ihnen in lebhafter Erinnerung geblieben. Die Energie vor vielen tausend Menschen sei eine ganz andere als im Club, berichten sie. „Da kocht das Publikum mit", sagt Demian rückblickend über das Hurricane 2024 in Scheeßel, das ausführlich im Hurricane Festivalrückblick dokumentiert ist. Solche Momente seien prägend und zeigten, wie viel Potenzial in ihrer Musik stecke, wenn sie auf eine offene Menschenmenge trifft.

Doch auch die kleinen Shows haben ihren Reiz. Inéz erinnert sich besonders an einen Auftritt in einem Wiener Club, bei dem das Publikum so dicht vor der Bühne stand, dass die Vibrationen der Bassdrum körperlich spürbar waren. „Da merkst du, dass elektronische Musik nicht nur Konsum ist, sondern ein gemeinsames Erlebnis", erzählt sie. Diese Momente seien es, die die beiden immer wieder antreiben, neue Songs zu schreiben und Shows zu konzipieren. Der direkte Kontakt zum Publikum sei ihnen wichtiger als jede Streaming-Zahl auf den Plattformen.

Auch die Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern spielt eine Rolle. In den letzten Jahren haben Ätna mit Produzenten aus dem Umfeld von Moderat, Bonobo und sogar mit klassischen Chören experimentiert. Diese Offenheit spiegelt sich auch in der Live-Show wider, wo Gastauftritte keine Seltenheit sind. Wenn ein befreundeter Musiker in der Stadt ist, springt er gerne mal für ein Duett auf die Bühne. Diese Spontaneität gibt jeder Show einen einzigartigen Charakter, der so nirgendwo reproduziert werden kann.

Ausblick auf kommende Projekte

Für die kommenden Monate haben Ätna einiges in Planung. Eine neue EP befindet sich in den letzten Zügen der Produktion, und eine ausgedehnte Tournee durch Deutschland, Österreich und die Schweiz ist bereits angekündigt. „Wir wollen diesmal auch in Städte, die wir bisher nicht so oft bespielt haben", verrät Demian. Konkrete Termine stehen bereits in Aussicht, darunter auch Auftritte bei kleineren Festivals im Spätsommer und einige exklusive Club-Shows in bekannten Locations.

Einige Highlights der kommenden Tour sind bereits bekannt:

Neben der Tour arbeiten die beiden an einer erweiterten Live-Show, die stärker mit visuellen Künstlerinnen und Tänzerinnen zusammenarbeitet. „Wir möchten die Show noch körperlicher machen", erklärt Inéz. Die Idee sei, dass Bewegung und Licht noch stärker mit der Musik verschmelzen. Dazu sind Kooperationen mit Choreografen und Videokünstlern geplant, die das Konzept weiter vertiefen sollen. Auch interaktive Elemente, bei denen das Publikum direkt in die Show einbezogen wird, stehen im Raum der Planungen.

Eine Akustik-Session als Kontrastprogramm steht ebenfalls zur Debatte. Ätna überlegen, ob sie für ausgewählte Konzerte eine reduzierte Version ihrer Show entwickeln, die nur mit Klavier und Stimme funktioniert. „Das wäre ein Gegenpol zur elektronischen Welt", so Demian. Ob dieses Experiment tatsächlich stattfindet, hängt von der Resonanz des Publikums ab. Klar ist aber: Stillstand gibt es bei Ätna nicht. Die Band entwickelt sich ständig weiter und sucht immer wieder neue Wege, ihre elektronische Vision auf die Bühne zu bringen.